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L'ABSENCE (2006-2008) |
| Elisabeth Reuter: Jabès/Yukel |
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Aufnahmen von verschiedenen Kompositionen (Studien) zu "L'Absence": mp3 Ausschnitt aus "de Yukel à Sarah" (Ensemble "Accroche Note"; Ltg.: Armand Angster) mp3 Ausschnitt 1 aus "Le chiffre 4" (Ensemble des CNSM de Paris; Ltg.: Leonard Ganvert) mp3 Ausschnitt 2 aus "Le chiffre 4" (Ensemble des CNSM de Paris; Ltg.: Leonard Ganvert) mp3 Ausschnitt aus "Interludien" (Ensemble "Klangexekutive"; Ltg.: Tammin J. Lee) mp3 Ausschnitt aus "cherchée-cherchais" (Tomasz Wija, Bariton und David Santos, präpariertes Klavier) |
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Programmtext
URAUFFÜHRUNG am 3. Mai 2012 - Münchener Biennale
Edmond Jabès wurde 1912 in Kairo geboren, er musste 1957 (während der Suezkrise) als Jude Ägypten verlassen und emigrierte nach Paris, wo er bis zu seinem Tod 1991 lebte und arbeitete. Seine Schriften sind eigen-artig im besten Sinne. Er schafft ganz neue Formen, indem er die Erzählstruktur auflöst, Schreiben und Lesen zusammenrücken lässt und das Schweigen in seine Dichtung mit einbezieht. Das Judentum spielt eine große Rolle darin, wie auch das Hinterfragen.
Eine Geschichte ist im Buch der Fragen schwer auszumachen, bzw. wenn man sie nacherzählt, sagt es kaum etwas über die Tiefe des Buchs aus. Die Hauptcharaktere Sarah und Yukel sind getrennt. Yukel sucht Sarah. Sie wurde zusammen mit ihren Eltern deportiert, ihre Eltern wurden ermordet. Sarah überlebte, ist jedoch – verrückt geworden. Deshalb ist sie nicht länger in ihrem Körper; Wahnsinn als Verlust einer Person, der dazu führt, dass auch Yukel, ihr Geliebter, sich verloren fühlt.
Offenbar wird die Geschichte von Sarah und Yukel in Form von Hinweisen, durchsetzt von Reflexionen, Traumsequenzen usw. Das Kontinuum ist aufgehoben. Die Struktur des Textes erinnert dabei an Talmud-Traktate, immer wieder erscheinen imaginäre Rabbiner mit Kommentaren, die sich oft widersprechen. Es gibt einen Erzähler, er scheint manchmal dem Autor, manchmal Yukel zu gleichen. Durch diese Offenheit und Zweideutigkeit verschiebt sich der Sinn gewissermaßen permanent, was mich sehr faszinierte. Es gibt keine endgültige Aussage.
Für das Libretto habe ich Abschnitte genommen, die in ihrer poetischen Sprache suggestiv sind, wie auch solche, die Handlung für die Bühne enthalten. Ich habe kein einziges Wort von Edmond Jabès verändert, lediglich ausgewählt – man könnte auch sagen: das andere „ausradiert“ – und bin streng der Chronologie des Buchs gefolgt. Ab und zu habe ich den Text bestimmten Personen zugeordnet.
Die Sängerin „Sarah“ hat in meiner Oper ein Double in Form einer Tänzerin. Die Sängerin stellt das verlorene „Ich“ dar – die Seele, wenn man so will, oder eine Erinnerung. Die Tänzerin steht für die Sarah „jetzt“ – die „Ver-rückte“.
Die Bühne soll durch eine Wand oder Mauer gekennzeichnet sein: ihre Hauptbedeutung hat sie als Mechiza – eine Trennwand, die in vielen orthodoxen jüdischen Gemeinden verwendet wird, um die Frauen von den Männern abzugrenzen. Somit trennt die Mauer die gesamte Oper hindurch Sarah von Yukel, die Frauen von den Männern. Auch als Oberfläche für Projektionen spielt die Wand eine Rolle, oder für Schatten.
Die Oper ist unter anderem auch durch den Einfluss traditioneller jüdischer Musik geprägt – was für mich bei dem Sujet nahe lag, ein faszinierender Fundus. Die Musiksprache bleibt jedoch „zeitgenössisch“ - („meine“, wobei sich meine Ästhetik seit der Zeit 2006-2008 natürlich sehr verändert hat.) Wichtig waren aber z.B. bestimmte Gebetsformen oder Formen der Gesangskunst. Sarah und Yukel singen die ganze Oper hindurch in (verfremdeten) Kantillationen. Kantillation ist eine der ältesten Quellen jüdischer Musik, noch aus Tempelzeiten: die Art des Vortragens des Textes der Torah mithilfe von melodischen Floskeln, die wie Bausteine fungieren. Auch die Tradition der Mikrotonalität, das Verwenden von glissandi, vibrati, Vorschlägen und anderen Verzierungen als spezielle Ausdrucksmittel tragen dazu bei, musikalische Charaktere zu schaffen. Dabei hat mich auch die Begegnung mit Werken von Komponisten der Neuen Jüdischen Schule (siehe www.musica-judaica.com) beeinflusst. Viele Bezüge und Verweise finden jedoch im Untergrund statt, in der Tiefe – abîme, Abgrund, Tiefe, ein wichtiges Wort für Edmond Jabès. 2012 wäre sein 100. Geburtstag.
Die Oper "L'Absence" ist meinem Lehrer Walter Zimmermann gewidmet.
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| Pressespiegel | |
| Zeitung des Conservatoire National et Supérieur de Paris über die Uraufführung von "Le chiffre 4"
November 2008 |
Enquête de sens
Plus personelle et appartenant à un projet de grand envergure, la pièce de Sarah Nemtsov (Berlin),
tranche par la question identitaire qu'elle soulève. En reposant sur Le livre des questions de l'écrivain juif Edmond Jabès, la compositrice a choisi de nous présenter une étude pour son opéra à venir Yukel et Sarah [Arbeitstitel - jetzt "L'Absence"]. Subtil jeu de cache-cache entre les instruments, couleurs harmoniques personelles et instrumentation délicate (à part peut-être le solo d'accordéon), Le chiffre 4 est une pièce bien construite et très touchante. |
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Hinweis
Die geplante und bereits angekündigte Premiere von "L'Absence" am 29.5.2009 im Schlosstheater Rheinsberg - sowie die weiteren Vorstellungen am 6. und 7. Juni 2009 - mussten aus finanziellen Gründen ausfallen.
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