Sacrifice (2016) – Oper

Oper in 4 Akten – für 5 SängerInnen, 3 Schauspieler, Instrumentalensemble (Keyboard, E-Gitarre, Klavier, Harfe und Drumset), Orchester (2.2.2.2./1.2.2.1/e-git/keyboard/pno/harfe/3 perk/6.6.5.4.3), Elektronik, Zuspiel, Video und einen stummen Chor (Statisten)
UA: 05.03.2017, Oper Halle – Libretto: Dirk Laucke (Auszüge aus “Gräben der Freude”), Regie: Florian Lutz, Bühne: Sebastian Hannak, Kostüme: Mechthild Feuerstein, Dramaturgie: Michael von zur Mühlen, Musikalische Leitung: Michael Wendeberg;
Mitwirkende: Marie Friederike Schöder, Tehila Nini Goldstein (Sopran, Gäste), SängerInnen der Oper Halle, Staatskapelle Halle, Ernst Surberg (Keyboard und Elektronik), Seth Josel (E-Gitarre), Sebastian Berweck (Klavier), Matthias Erb (Klangregie) u.a.
Dauer: ca. 120′



Fotos: Falk Wenzel © Oper Halle


Die deutsche Bühne 12/2016
Sarah Nemtsov über ihre Oper Sacrifice
Artikel

PRESSE

Die ZEIT 9/3/2017 – Im Feuer des Jetzt
Es mag poetischere Opernabende geben, auch humorvollere, aber wenig arriviertere. […] Dass es in Halle funktioniert, verdankt sich in erster Linie Sarah Nemtsovs starker, absolut uneitler Musik, deren Kunstcharakter man, selbst wenn sie Björk und Bach zitiert, nach einer Weile kaum mehr wahrnimmt. Klang wird Raum wird Zeit wird Wirklichkeit. Auch Florian Lutz lässt sich zu keiner Botschaft hinreißen- außer zu derjenigen vielleicht, dass die Oper, will sie Welt verändern, bei sich selbst anfangen muss.
Christine Lemke-Matwey
Artikel

Deutschlandfunk Musikjournal 6/3/2017
“Es erhebt sich keiner der Beteiligten auf einen moralischen Podest und sagt: Ich weiß, wie es besser geht oder wie die Welt wieder schön wird. … Sarah Nemtsov fällt unglaublich, unfassbar viel ein… Über diese zwei Stunden lang wird musikalisch keine Sekunde langweilig… ungeheuer formbewusst… ein echtes Drama des Hörens, das da geboten wird… ein herausfordernder Abend für das Publikum, einer, der zum Nachdenken anregt, einer, der jedem, der diese Erotik der Klänge spürt und sich darauf einlassen will, ungeheuer viel zu bieten hat.”
Uwe Friedrichs

Die Süddeutsche Zeitung 29/3/2017 – Der Traum vom Terror
Den Schrecken des Themas fängt Nemtsovs Musik nur gelegentlich in lautmalerischen Elementen ein. Vorherrschend ist eine filigrane Kunst nahtloser Übergänge, mit denen die Komponistin die unterschiedlichsten Texturen aneinanderbindet und auseinander hervorgehen lässt. Nemtsovs Musik gestaltet einen musikalischen Dauerstrom. Es mischen sich darin Zartes und Brutales, Bedrohliches und Verheißungsvolles…
Julia Spinola
Artikel

Neue Zeitschrift für Musik 3/2017 – Welt im Fadenkreuz
Nemtsovs musikalische Sprache beruht auf komplexen Schichtungen, die sich weniger dem Prinzip Collage als einem heterogenen Organismus verdanken, mit einer sehr vielgestaltigen und ausdifferenzierten Klanggestik. Gleich im ersten Bild entfaltete sich zum raumgreifenden Sterben ein unwirtliches Klanggeschehen aus schroffen Sforzati, explosiven Tutti-Schlägen und unwirtlichen Geräuschartikulationen, die in der Verkörperung permanenter innerer Unruhe und äußerer Bedrohung weite Teile der Sacrifice-Partitur prägten. Fast alle Klangquellen waren auch im Orchester verstärkt, verzerrt oder in irgendeiner Weise manipuliert… Die schwelende Spannung dieser zerklüfteten Klanglandschaft entsprach einerseits geradezu bildhaft einer zerstörerischen und inkohärenten Wirklichkeit, führte andererseits jedoch ein beeindruckendes Eigenleben. Sie konnte unvermittelt rein elektronische Züge ausprägen und zu wuchtigem Techno mutieren oder im «Intermezzo» des dritten Akts Bach’schevaleurs wie unter Milchglas hervorbringen.
Dirk Wieschollek
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Die deutsche Bühne 6/3/2017
Hier dominiert vor allem der Klangrausch, den Nemtsov entfesselt und der die Assoziationsräume öffnet in die brandaktuelle Geschichte. . […]Es ist keineswegs nur Koketterie oder ein bloßer (bei all dem Ernst hochwillkommener) selbstreferentieller Witz, wenn die Komponistin via Einblendung irgendwann ihre Ratlosigkeit zu Protokoll gibt. Was kann man tun? Was kann ich tun? So fragt sie. Und lässt ihre faszinierende, raumfüllende, keine Ausflucht zulassende, nirgends Harmonie, Schönheit oder gar wohlfeile Antworten vortäuschede Tonspur des Grundrauschens einer Welt voller Gewalt und voller Fragen immer weiterlaufen. […] Aber ein Wohlfühlabend zum Seele baumeln lassen will und soll es eh nicht sein. Ein Musiktheatererlebnis der Extraklasse ist es.
Joachim Lange
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das Orchester, 6/2017 – Es geht rund
Dabei macht gerade Nemtsovs Musik den Abend wirklich spannend: Sie kombiniert E-Gitarren-Riffs, Keyboard und Streicher, lässt mit kleinen Klöppeln auf dem Gitarrenhals streichen und klopfen, manchmal gibt es Bach-Stimmung und -Stimme im Orchester, dann wieder knarrende Geräusche und hörbaren Atem. Sacrifice endet in einem furiosen Orchester-Epilog, der in eine süße Frauenstimme mündet. Dirigent Michael Wendeberg, neu engagiert wie Christopher Sprenger als Kapellmeister, hält die vielen Fäden souverän und sicher in der Hand, die Staatskapelle Halle löst ihre schwere Aufgabe beeindruckend...
Ute Grundmann

Junge Welt, 21/6/2017 und der neue Merker, 06/2017 – Die Lyrik der Taliban
Auf den facettenreichen Spielflächen – überbauter Zuschauerraum, Rang, Hinter- und Nebenbühne – wird ein multimediales, bedrückendes Welttheater entfesselt” […] Ein Glück für Halles Opernhaus, die Hauptrollen Jana und Henny mit so flexiblen Sängerdarstellerinnen wie Marie Friederike Schöder und Tehila Goldstein besetzen zu können. »May I be sacrificed for you, my homeland …« Gleich zu Beginn verleihen sie der Orientierungslosigkeit und den Obsessionen ihrer Partien minutenlang beredten Ausdruck in sehnsüchtigen Vokallinien. Mit beklemmender Intensität nähern sie sich dann dem Ziel, behutsam, krächzend und in Vokalisen. Vielfältig in seiner Klanggestalt ist der Tonfluss des Werkes, von den Musikern der Staatskapelle Halle unter Michael Wendebergs präziser Leitung vortrefflich geformt. Eine komplexe Raummusik, bei der elektronische Einspielungen und andere Tonquellen den klassischen Orchesterklang ergänzen. […] Ein vielschichtiges Werk des politischen Musiktheaters!
Dietrich Bretz

orpheus Mai-Juni 2017 – Klingende Sprachlosigkeit
Die Musik, engagiert gespielt von der Staatskapelle Halle (Michael Wendenberg), erzeugt durchgehend einen über weite Strecken atonalen Klangrausch, der elektronisch verstärkt wird. Es ist ein komplexer Raumklang, der eine ganz besondere Wirkung hat. Dies vor allem für die Vocalisen, mit denen die beiden Dschihadistinnen (herausragend Marie Friederike Schöder und Henny Tehila Goldstein) ihre Emotionen zum Ausdruck bringen. Der Text von Dirk Laucke kommt nur in jenen Szenen zur Geltung, wo die Kriegsberichterstatter über die Wirkung von Bildern und die Schamlosigkeit ihrer Vermarktung in einen kontrovers geführten Diskurs treten. Welttheater, das bis an die Schmerzgrenze führt. Man muss es aushalten können.
Herbert Henning

OMM 3/2017
Dass dabei von Lauckes Text, der als Inspiration für die Komposition wohl unentbehrlich war, das meiste auf der Strecke bleibt, wird kompensiert durch die Wucht, die Nemtsovs Musik entfaltet. Virtuos flutet sie geradezu den Raum. Sie nutzt das gesamte, von Michael Wendeberg präzise geleitete Orchester, überschreitet dabei aber auch beherzt mit Elektronik und Fantasie dessen konventionelle Klanggrenzen. In den klassischen Klang wird Quietschen, rascheln oder das Streichen über Styropor ebenso integriert wie jede Menge elektronischer Einspielungen. Die Musiker der Staatskapelle Halle machen mit souveräner Perfektion. Das über dem überbauten Orchestergraben platzierte Orchester erzeugt einen Sog, der auch jenseits der immer mal wie Blasen in der Lava hochspritzenden Worte wirkt. Und Hitze entfaltet.
Roberto Becker
Artikel

3Sat KulturZeit 6/3/2017
Bericht

Positionen Heft 111/2017
“Sacrifice. Reflexionsraum Identität” – Gisela Nauck über die Oper Sacrifice
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Opernwelt 3/2017
“Wir sollten nicht aufgeben” – Sarah Nemtsov im Interview über ihre Oper Sacrifice
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Mitteldeutsche Zeitung 1/3/2017
“Alles dreht sich” (Probenbericht)
Andreas Montag
Artikel


SACRIFICE - FORM

I.AKT

I.1. Klangbild [Motoren] > Orchester + Monotrone Jana und Henny

I.2. Duett [May I be] > Jana und Henny, kurz Frau

I.3. Band [Krähen] 

I.4. Vakuum > stummer Chor (und Journalisten, Geräusche) Intermezzo [Holz]                                                    

I.5. Journal [alles drauf] > Journalisten

I.6. Szene [Hummeln] > Frau, etwas Jana und Henny

I.7. Videobotschaft > Jana und Henny (live)

I.8. Kommentar > Video: Nemtsov oder Journalisten (ossia: Testbild und weißes Rauschen)                         


II.AKT

II.1.a. Szene [Die heilige Familie] > Mann und Frau

II.1.b. Szene [Wolfsblut] > Mann und Frau

II.2. Duett [sacrificed] > Jana und Henny

II.3. Band [beauty] > Jana und Henny

Intermezzo [enemies] > Jana und Henny

II.4. Journal [Alibi] > Journalisten

II.5 Arie [Azuz] > Azuz + Elektronik

II.6. Vakuum > stummer Chor

II.7. Klangbild [Klage] > Orchester + einen Moment lang alle 5 Sänger

II.8. Videobotschaft [Sendeplatz] > Jana und Henny

II.9. Kommentar > Video: Laucke, Regie oder Darsteller (ossia: Testbild und weißes Rauschen)

 

III. AKT

III.1.a. Szene [Demo] > Frau

III.1.b. Szene [Choral] > Mann, Frau

III.1.c Szene [Remix] > Mann

Intermezzo [Bach] > Frau

III.2. Journal [Oper] > Jornalisten

III.3. Duett [dusty deserts] > Jana, Henny

III.4.a. Vakuum > stummer Chor

überlappend mit

III.4.b. Kommentare > Video ad lib.: Regie, Dramaturgie u.a.

III.5.a. Videobotschaft [Haus] > Jana, Henny

simultan mit

III.5.b. Journal [Philoktet] > Krall

III.6. Arie [Warum] > Azuz, auch Jana, Henny, Frau und Mann

III.7. Klangbild [Brocken] > Orchester

III.8. Kommentar > Video: Sängerinnen Jana und Henny zu ihren Rollen (ossia: Testbild und weißes Rauschen)

 

IV. AKT

IV.1. TRANSIT > Orchester mit Jana, Azuz, Frau, Mann + Journalisten

IV.2. Videobotschaft [dort] > Jana

IV.3. Arie [alive] > Henny

IV.4. Vakuum > stummer Chor

IV.5. Klangbild [Wellen] > Orchester

IV.6. Arie [burnt wounds] > Jana (hinter Leinwand o.ä.)

IV.7. EPITAPH > Orchester, Drones - Orchestergraben runter